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Flutschutz: Betriebskonzept für neue Standorte

Facility Management: Flutschutz » Leistungen » Erstellung eines Betriebskonzepts für einen neuen Standort

Flutschutz im Kontext des Klimawandels

Flutschutz im Kontext des Klimawandels

Der Klimawandel führt zu häufigeren und extremeren Hochwasserereignissen. Die Umweltministerien betonen, dass Starkregen und tagelanger Regen „durch die Klimakrise häufiger und extremer“ werden, Hochwasser längst kein „Jahrhundertereignis“ mehr ist. Entsprechend steigt die Bedeutung eines ganzheitlichen Flutschutzkonzepts für Gebäude und Standorte. Ein solches Konzept muss bereits in der Planung neuer Standorte alle Aspekte – von Standortrisiken über bauliche Maßnahmen bis zu Notfallplänen – umfassen und langfristige Veränderungen (z.B. Klimawandel, Verdichtung) berücksichtigen.

Gesetzlicher und normativer Rahmen

normativer Rahmen

In Deutschland bilden europäische Vorgaben (Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie 2007/60/EG) den Ausgangspunkt für nationale Gesetze. Die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen finden sich im Wasserhaushaltsgesetz (WHG, §§ 72–81), das die EU-Richtlinie umsetzt. Das WHG regelt u.a. Risikogebiete (§ 73 WHG), die Erstellung von Gefahren- und Risikokarten (§§ 74, 76 WHG) und Notfallpläne (§ 75 WHG). Ergänzt wird dies durch spezielle Hochwasserschutzgesetze (2005, 2017 und derzeit HWSG III in Entwurf), die den Hochwasserschutz weiter verbessern. So sieht der Referentenentwurf des Hochwasserschutzgesetzes III u.a. verstärkte Anforderungen an Bauwerke (z.B. höhere Brückenüberhöhung) sowie erstmals verpflichtende Starkregenvorsorge-Pläne für Kommunen vor.

Zusätzlich gelten bau- und planungsrechtliche Vorgaben, z.B. die Festlegung von Überschwemmungsgebieten im Baugesetzbuch (§§ 30, 33 BauGB) und Einschränkungen in Überschwemmungsgebieten. Technische Normen spielen ebenfalls eine Rolle: Beispielsweise regelt die Entwässerungsnorm DIN 1986-100 die Dimensionierung von Rohrleitungen und lässt einen Überflutungsnachweis zu, während DIN EN 752 Anforderungen an Kanalnetze festlegt. Bei der Auslegung von Hochwasserschutzwänden, Rückhaltebecken oder Deichen sind Tragwerksnormen (z.B. DIN 1045-2 für Betonbau) sowie wasserwirtschaftliche DWA-Regelwerke zu beachten. Insgesamt sichert dieser Rechts- und Normenrahmen, dass Flutschutzmaßnahmen den aktuellen Anforderungen an Funktionsfähigkeit, Umweltverträglichkeit und Sicherheit entsprechen.

Standortbezogene Risikoanalyse

Eine fundierte Risikoanalyse ist Grundlage jedes Betriebskonzepts. Sie verbindet hydrologische und geoinformatorische Daten mit Objektinformationen. Dazu gehört die Auswertung historischer Niederschlags- und Pegeldaten, Grundwasserstände sowie Bodenversickerungsfähigkeit. GIS-gestützte Analysen ermitteln Topografie, Geländeversiegelung und Überschwemmungsgebiete. Nach § 73 WHG werden damit Risikogebiete identifiziert – Gebiete mit „signifikantem Hochwasserrisiko“ basierend auf Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotential. Das Hochwasserrisiko ergibt sich aus der Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem Schaden.

Praktisch bedeutet dies: Man erstellt Hochwassergefahrenkarten (Einzugsgebiete, zu erwartende Überflutungsflächen und -tiefen bei HQ_20, HQ_100, HQ_extrem) sowie Hochwasserrisikokarten, die zusätzlich die Landnutzung und Schadenspotentiale abbilden. Für den Standort werden Szenarien durchgespielt (z.B. 10‑jährlich, 100‑jährlich) und nach Risikoklassen bewertet (gering, mittel, hoch). Eine Gefährdungsanalyse ermittelt kritische Schwachstellen: Hierbei werden „historische Hochwasserdaten, topografische Gegebenheiten und die aktuelle Infrastruktur“ berücksichtigt. Ergebnis sind konkrete Risiko-Profile, die als Basis dienen für präventive Maßnahmen und Notfallpläne (z.B. Hochwasser-Rückstaurisiko, Überschwemmungsgefahr).

Baulich-technische Flutsicherung

  • Entwässerungsoptimierung: Installation von Rückstauklappen und Rückflussverhinderern in Rohrleitungen, um das Eindringen von Abwasser bei Überflutungen zu verhindern. Ausbau oder Neubau von Regenwasserkanälen nach DIN EN 752 bzw. DIN 1986-100 erhöht Kapazitäten. Dezentrale Mulden-Rigolen-Systeme und Sickerschächte fördern Versickerung und Entlastung des Kanalnetzes.

  • Gebäudeabdichtung: Abdichtung von Gebäudesockeln, Kellern und Durchlässen mit wasserdichten Materialien (z.B. Bitumenmatten, Flüssigkunststoff). Wasser undichte Stellen an Fenstern/Türen mit Dichtungen versehen und wasserdichte Türen montieren. Bei Neubauten kann das Gebäude auf einer wasserundurchlässigen Bodenplatte errichtet werden.

  • Schutzbarrieren: Errichtung fester Hochwasserschutzwände (z.B. betonierte Dämme, Spundwände) entlang kritischer Stellen. Mobile Barrieren oder Schotts (z.B. aus Metall oder Holz verschiebbare Tafeln) werden bei Hochwasser aufgestellt. So bleiben Fluchtwege oder Zufahrten im Ernstfall geschützt. Auch dauerhafte Deiche oder Polderanlagen dienen dem Schutz großflächig.

  • Flächenmanagement: Anlage grüner Infrastruktur (Retentionsflächen, Gründächer, Rückhaltebecken) zum Zurückhalten und verzögerten Abfluss von Niederschlagswasser. Permeable Pflaster oder Rigolen entsiegeln Flächen; Regenrückhaltebecken und Zisternen speichern bei Starkregen große Wassermengen.

  • Anpassung der Technischen Anlagen: Empfindliche Technik (Serverräume, Elektroschaltanlagen, Heizzentralen) wird erhöht aufgestellt oder in wasserdichte Gehäuse verpackt. Pumpsysteme für den Notfall (Abpumpen von Kellerwasser) sind vorzuhalten. Sensorbasierte Wasseralarme melden frühzeitig Wasserstände, damit Technik abgeschaltet oder geschützt werden kann.

Durch diese baulichen und technischen Schritte wird das Gebäude selbst zur Schutzstruktur: Hochwasserschutzwände und Dämme bilden „erste Verteidigungslinien“ gegen eindringendes Wasser. Alle Maßnahmen müssen langfristig wirksam ausgelegt sein – nachhaltig geplant gemäß gesetzlichen Vorgaben wie WHG und Bauordnung. Dabei sind auch statische und bauphysikalische Normen zu beachten (z.B. Lastannahmen bei aufstauendem Wasser), ebenso wie Wasserwirtschafts-Standards (z.B. DWA-M 551 für Hochwasserabflussberechnung).

Organisatorische und betriebliche Aspekte

  • Verantwortungsstruktur: Klare Zuordnung von Rollen (z.B. Flutschutzbeauftragter, Facility Manager, Sicherheitsbeauftragter) und Dienstwegen. Schnittstellen zu externen Partnern (Bauamt, Feuerschutz, Behörden) sind definiert.

  • Notfallplanung: Erstellung und regelmäßige Aktualisierung eines Notfall- und Evakuierungsplans. Dieser beinhaltet Alarmketten (Wer verständigt wann Feuerwehr, Betriebsleitung, Aufsichtsbehörden?), Evakuierungswege, Sammelstellen und Sicherheitskontrollen. In Krisenmomenten zählt eine „sofortige Reaktion“ – etwa Stromabschaltung, Evakuierung von Gebäudeteilen und Benachrichtigung von Rettungsdiensten.

  • Kommunikation: Interne und externe Information ist zentral. Das Personal muss über Gefahren verständigt werden (Aushänge, SMS-Alerts). Ansprechpartner und Medienkontakte sind aufgelistet. Eine frühe Warnung (z.B. Pegel- oder Wetterwarnungen) wird an alle relevanten Personen weitergegeben.

  • Schulung und Übungen: Fortbildungen und regelmäßige Hochwasser-Übungen festigen Abläufe. In Drill-Trainings werden Szenarien simuliert, damit alle Handlungsabfolgen einstudiert sind. Nach jedem Ernstfall oder Probealarm erfolgt eine Nachbesprechung zur Ursachenanalyse und Optimierung.

  • Betrieb und Instandhaltung: Routinemäßige Inspektionen der Schutzsysteme (Kontrolle von Deichen, Rückstauklappen, Pumpen) sind geplant, idealerweise über ein CAFM-System (Computer-Aided Facility Management). Dieses dokumentiert Anlagen und Wartungsintervalle und kann Sensordaten (Wasserstände, Feuchtigkeit) automatisiert auswerten. So lassen sich etwa Rückflussventile jährlich prüfen und Ersatzteile bevorraten.

Ein strukturierter, teamorientierter Ansatz und Dokumentationen im FM sicherstellen, dass Flutschutzmaßnahmen im Arbeitsalltag umgesetzt werden, ohne den regulären Betrieb zu sehr zu stören. Klare Betriebsanweisungen und Handbücher halten fest, was bei Hochwasser zu tun ist. Insofern ähnelt das Hochwassermanagement einer Standard-Betriebsführung, jedoch mit Fokus auf Prävention und Krisenreaktion.

Rolle digitaler Technologien

Moderne Facility Services nutzen digitale Sensorik, Datenanalyse und Fernsteuerung, um Flutgefahren abzuwehren. Durch IoT‑basierte Überwachungssysteme können Sensoren Wasserstände, Bodenfeuchte und Niederschlagsintensitäten in Echtzeit melden. Diese Daten fließen in vernetzte Plattformen (SCADA-Systeme), die Alarmmeldungen und Berichte ausgeben. Über SCADA oder ähnliche Steuerungssysteme lassen sich Schutzmaßnahmen automatisiert auslösen – etwa das Verschließen mobiler Barrieren oder das Aktivieren von Pumpen bei kritischen Pegelständen.

Mittels KI-gestützter Datenanalyse und Predictive Analytics kann man Wetter- und Pegeldaten auswerten, um etwa Hochwasser- oder Starkregen-Szenarien vorherzusagen. Historische Ereignisse werden mit Echtzeitinfos kombiniert, sodass FM-Manager erkennen, ob ein bevorstehender Regenfall kritisch wird. Auch die Erfolgskontrolle läuft digital: Ein CAFM-System erfasst Sensoralarmprotokolle und Wartungsarbeiten, so dass Schutzanlagen immer einsatzbereit bleiben.

In der Praxis bedeutet dies: Sensorik + Wetter‑API → zentrales Dashboard → bei Grenzwertüberschreitung Automatik (Barrieren/Pumpen) – alles abgesichert auf Unternehmensservern. Solche Lösungen steigern die Reaktionsgeschwindigkeit und Effizienz erheblich. Sie ermöglichen zudem Fernüberwachung entlegener Anlagen (Pumpenhäuser, Uferstationen) und minimieren Fehlalarme. Für das strategische Gebäudemanagement sind sie ein wesentlicher Baustein, um Betriebssicherheit auch bei extremen Wetterlagen zu gewährleisten.

Wirtschaftlichkeit und ESG-Perspektive

Flutschutzmaßnahmen sind kostenintensiv, aber volkswirtschaftlich und unter ESG-Gesichtspunkten gerechtfertigt. Schwere Hochwasserereignisse verursachen oft Schäden in Milliardenhöhe. Daher fördert der Bund seit den 1970er Jahren präventiven Hochwasserschutz: 60 % der Ausgaben für Neubau bzw. Verstärkung von Schutzanlagen, Deichrückverlegungen und Renaturierung werden rückerstattet. Über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) fließen regelmäßig Mittel in den Ausbau von Poldern, Rückhaltebecken und Deichsanierungen. Im nationalen Hochwasserschutzprogramm (NHWSP) von 2013ff. werden zudem überregionale Schutzprojekte (Renaturierungen, Rückhaltesysteme) kofinanziert.

Für Unternehmen amortisieren sich die Investitionen oft durch vermiedene Schadenskosten, geringere Versicherungsprämien und eine stabilere Produktionsfortführung. In Analysen zahlt sich Hochwasserschutz aus: Bereits ein kleiner Rückhalt von Hochwasserspitzen kann Großschäden verhindern. Umwelt- und Klimaanpassungsaspekte qualifizieren Flutschutz als Teil einer nachhaltigen Infrastruktur. In ESG-Ratings wird inzwischen der Umgang mit Klimarisiken abgefragt – hier punktet eine systematische Hochwasservorsorge. Darüber hinaus sichert Vorsorge Arbeitsplätze und schützt die Belegschaft (S‑Aspekt) sowie reduziert Haftungsrisiken für Management und Eigentümer (G‑Aspekt).

Insgesamt lässt sich festhalten: Unter Berücksichtigung von Risikoreduktion und Förderprogrammen bieten präventive Schutzmaßnahmen eine positive Kosten-Nutzen-Bilanz. Sie sind integraler Teil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung, die den Standort zukunftsfest und „klimawasserfest“ aufstellt.

Beispiel: Modulares Betriebskonzept

  • Modul 1 – Grundlagen und Organisation: Zieldefinition (Schutzgrad, Kontinuität), Verantwortlichkeiten (Flutschutzbeauftragter, Schnittstellen), rechtliche Vorgaben (WHG, BauGB, DIN-Normen).

  • Modul 2 – Risikoanalyse: Detaillierte Standortanalyse (Niederschlagsstatistik, Pegel, Gefahren-/Risikokarten), GIS-gestützte Überflutungsmodellierung und Risikoklassifizierung.

  • Modul 3 – Bauliche Maßnahmen: Planung und Ausführung technischer Schutzvorrichtungen (Deiche, Barrieren, Flutentwässerung nach DIN 1986/EN 752) sowie naturnaher Rückhalt (Retention, Versickerung, Pflanzungen).

  • Modul 4 – Technische Ausstattung: Ausstattung mit Sensorik (Wasserstands- und Feuchtesensoren), Pumpwerke, Notstromversorgung. Integration in übergeordnete Leitsysteme (SCADA, Gebäudeleittechnik).

  • Modul 5 – Betrieb und Instandhaltung: Wartungsplan für Schutzanlagen (z.B. jährliche Prüfung von Pumpen und Klappen), CAFM-gestützte Dokumentation von Inspektionen und Instandsetzungen. Bevorratung kritischer Ersatzteile.

  • Modul 6 – Notfallmanagement: Alarm- und Evakuierungskonzepte, Notfallkommunikation (auch externe Warnketten), Schulungs- und Übungsplan. Festgelegte Meldewege zu Feuerwehr, THW, Betriebsrat u.a.

  • Modul 7 – Kommunikation und Schulung: Interne Information (Intranet, Handbücher), Einbindung aller Mitarbeitenden. Regelmäßige Schulungen und Notfallübungen mit Feedback und Verbesserung.

  • Modul 8 – Controlling und Anpassung: Periodische Evaluation der Maßnahmen (z.B. nach Starkregen) und Aktualisierung des Konzepts. Lessons Learned-Runde nach jedem größeren Ereignis, Aktualisierung entsprechend neuer Klimaprognosen.

Jedes Modul kann auf Bauherrenseite oder im FM-Team aufgebaut werden – so entsteht ein ganzheitliches, flexibel anpassbares Betriebskonzept. Eine solche Struktur stellt sicher, dass technische, organisatorische und personelle Maßnahmen im Zusammenspiel wirken. Die Einbindung aller Ebenen – vom Vorstand bis zum Instandhaltungspersonal – gewährleistet eine umfassende Schutzstrategie und ermöglicht eine effektive Umsetzung der Hochwasserschutzvorgaben.